Meinung zur Politik

 

 

 

 

 

Meinung zur Frage:

Griechenland, die EZB und der Verlust unserer Renten
Europa beschließt dieser Tage das dritte griechische Hilfspaket. Dieses kostet jeden Bürger in der EURO-Zone rund und unmittelbar 800 €. In Wirklichkeit liegen die Kosten pro Bürger aber viel höher: Durch die Niedrigzinspolitik ist der klassische Kapitalaufbau nicht mehr möglich.

Standpunkt:
Wir müssen finanzpolitisch aus dem Hilfsmodus endlich in den Normalmodus zurückschalten !

Die Rentenberechnung

Ansparphase
Wer kennt solche Aussagen nicht, wie „Spare in jungen Jahren für die Rente: Die Zinsen und Zinseszinsen belohnen es doppelt !“

Und in der Tat, so war es auch:
Wenn eine 25jährige oder ein 25jähriger beginnen würde, jeden Monat 200 € zu sparen, bis sie oder er das 65. Lebensjahr erreicht hat, so würde sich dann ein Gesamtkapital von über 306.000 € ergeben – bei 5% stetiger Verzinsung (rote Kurve).

Dieselbe Sparleistung würde hingegen bei 1% Verzinsung zum 65. Lebensjahr ein Gesamtkapital von gerade einmal knapp 121.000 € ergeben (grüne Kurve)

Kapitalaufbau

Verbrauchsphase

Noch extremer wirkt sich der Zinseffekt beim Verbrauch des Kapitals aus. Hierfür wird angenommen, dass jährlich ein fester Betrag von 20.000 € ab dem 65. Lebensjahr verbraucht wird.

In dieser Phase wird zwar nichts mehr einbezahlt, der jeweilige Kapitalstock wird jedoch weiterhin verzinst und wirkt so der Abschmelzung entgegen.

In der roten Linie, bei 5% stetiger Verzinsung, kann jährlich der Betrag von 20.000 € entnommen werden, bis der Kapitalstock im 91. Lebensjahr verbraucht ist.

Hingegen in der grünen Linie ist der Kapitalstock bei 1% Verzinsung schon im 71. Lebensjahr abgetragen.

Abschmelzung

Im Ergebnis macht die Zinsdifferenz einen Unterschied von 20 Jahren in der Altersvorsorge aus.

Die Betroffenen

Betroffene durch diesen Zinseffekt sind alle Rentenempfänger, die ihre Renten aus einem Kapitaldeckungsmodell beziehen.

Dies sind hauptsächlich die klassischen privaten Sparmodelle, wie Banksparbücher, Lebensversicherungen, (Bundes-) Anleihen, etc.. Eine Vielzahl von berufsständischen Versorgungswerken, wie das der Ärzte, Architekten, Anwälte, usw. sind ebenfalls kapitalgedeckt.

Nicht betroffen sind hingegen alle Rentenbezüge aus Umlageverfahren und damit in Deutschland die Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Da aber bekanntlicherweise die demographische Entwicklung in Deutschland problematisch ist und nicht genug junge Menschen nachkommen um die Rentner auf ihrem ursprünglichen Niveau zu versorgen, haben hier auch viele Versicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung damit begonnen, private Zusatzrenten anzusparen. Diese fallen unter den beschriebenen Zinseffekt.

 

Die Zinspolitik

Die Zinsentwicklung der letzten 60 Jahre zeigt, dass eine durchschnittliche Verzinsung von 5% bis 2008 nicht unrealistisch war. Siehe Graphik (Quelle: Wikipedia)

Leitzinsen

In 2009 jedoch gab es einen dramatischen Zinsverfall auf das neue Niveau von nahezu 0%. Dieses Niveau hält sich ohne wesentliche Veränderungen bis heute (roter Kreis).

Mitunter ist schon von Glück zu sprechen, wenn nicht negative Zinsen erhoben werden.

Die Gründe

Die Leitzinsen im Euro-Raum werden durch die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt festgelegt.

Für das geringe Zinsniveau gibt es vor allem zwei Gründe:

  1. Unterstützung der Wirtschaft im Euroraum
  2. Vermeidung von Zinsaufwand in den Staatshaushalten

 

In der Folge der Finanz- und Staatschuldenkrise im Jahr 2009 rutschen viele Volkswirtschaften in die Rezession. Ausgelöst wurde die Krise vor allem durch die amerikanischen Subprime Kredite und den Kollaps der Lehman Brothers Bank im September 2008.

Auch in Deutschland hatten viele Betriebe und Unternehmen in 2009 starke Umsatzverluste zu verbuchen. Hierzulande hat sich die Wirtschaft schnell wieder erholen können. Jedoch vollzieht sich diese Entwicklung in einigen Staaten Südeuropas weitaus schleppender.

Unterstützung der Wirtschaft

Um die Wirtschaft im Euroraum positiv zu stimulieren, senkte die EZB das Leitzinsniveau, wie aus der Grafik hervorgeht und verfolgte damit insb. zwei Ziele:

  1. Erleichterung von Investitionen durch günstige Finanzierungszinsen
  2. Senkung des Euro-Außenwertes im Verhältnis zum US Dollar und anderen Währungen, um Exporte zu erleichtern.

 

Beide Ziele mögen kurzfristige Wirkung zeigen, sind aber auf mittlere und langfristige Sicht überaus kritisch zu beurteilen, da sich die begünstigten Unternehmen nicht mehr aus eigenen Wettbewerbsvorteilen heraus am Markt behaupten müssen, sondern von den finanzpolitischen Rahmenbedingungen profitieren. Diese Rahmenbedingungen wirken also wie ein süsses Gift negativ auf die Nachhaltigkeit des Leistungsvermögens einer Gesamtwirtschaft. Gerade wenn solche Rahmenbedingungen über Jahre hinweg bestehen, richtet sich die Wirtschaft unwillkürlich darauf ein.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone würde sich bei einem „normalen“ Zinsniveau also gesünder und krisensicherer entwickeln.

Vermeidung von Zinsaufwand für die Euro-Mitgliedsstaaten

Je geringer die Leitzinsen, desto geringer fallen auch die Anleihezinsen für Staatspapiere aus. Dies führt im Extremfall sogar zu negativen Anleihezinsen, wie bei 10-jährigen Bundespapieren geschehen.

Je geringer die Finanzierungskosten für Staatsanleihen sind, desto kleiner ist der Aufwand dafür in den Staatshaushalten.

Dass die EZB auch hierauf ihr Handeln ausrichtet, gilt soweit als unbestritten. Jedoch stellt dieses Motiv kein offizielles Ziel dar, da es den Statuten einer Zentralbank widersprechen würde.

Im Ergebnis aber ermöglicht die EZB mit ihrer Zinspolitik hohe Staatsverschuldungen, sowohl auf Nehmerseite und Geberseite von staatlichen Hilfspaketen, wie jetzt wieder für Griechenland. 

Die Staaten der Eurozone sind also die einzigen wahren „Profiteure“ der Niedrigzinspolitik der Notenbank.

Standpunkt & Fazit

Die Staatshilfen in der Eurozone verursachen bei den Steuerzahlern in den Geberländern vorneweg schon große direkte Belastungen. (Das dritte griechische Hilfspaket alleine bürdet einer fünfköpfigen Familie einen Beitrag von 4.000 € auf. > siehe Beitrag vom 12.7.2015).

Langfristig wirkt sich die Zinspolitik der EZB aber viel dramatischer auf die Bürger Europas aus, indem die Renten von zwei Generationen massiv beeinträchtigt werden bzw. in Teilen sogar vernichtet werden. 

Zwei Generationen deshalb, weil diejenigen die Renten einzahlen genauso betroffen sind und diejenigen die schon Renten beziehen. Die heutigen „Einzahler“ werden allerdings doppelt betroffen sein.

Die Staaten feiern Schuldenpartys – die Bürger bezahlen mit ihren Renten dafür!

 

Vielen Dank

Ihr Albert Sauter

Albert.sauter@meinungzurpolitik.de
www.meinungzurpolitik.de